Befähigungsnachweis des BVT – BVT was soll das?

 

 


Hallo zusammen,

wie der ein oder andere vielleicht schon gehört hat,

plant der BVT einen Befähigungsnachweis für Tätowierende.

Der DOT e.V. als ältester Berufsverband für Tätowierende in Deutschland hat sich hierzu natürlich schon sehr weitreichende Gedanken gemacht.

Was ist grob geplant?
Der BVT möchte mit seinem, natürlich gegen Entgelt (runde 550 Euro) angebotenen, Befähigungsnachweis Transparenz auf dem Markt schaffen um unseriöse von seriösen Tätowierenden zu unterscheiden.

Eins vorweg. Das ist in unseren Augen keine neue Idee. Denn ein entsprechendes Qualitätssiegel mit Aussenwirkung gibt es schon…. nennt sich DOT Mitgliedschaft und das seit über 30 Jahren!

Im Rahmen eines Mitgliedschaftsantrages überprüft der DOT e.V. schon seit jeher die  Hygienestandards des Antragstellenden. Dies geschieht durch eine schriftliche Abfrage und ggf. durch eine Studiobegehung.

Weiterhin beurteilt eine mehrköpfige Jury die künstlerischen Grundfähigkeiten anhand der Arbeiten, die bei uns zur Aufnahme in den DOT e.V  vorgelegt werden müssen.

Dafür brauchen wir aber keine Theorie- und keine Praxisprüfung die den Tätowierenden noch zusätzlich Geld kostet.

Diese Prüfungen sind bei uns selbstverständlich kostenfrei!

Bei uns gibt’s für den Mitgliedsbeitrag aber eine starke Gemeinschaft mit buchstäblich mehreren hundert Jahren Fachwissen zum Tätowieren.

Wir haben sowohl einige der Wegbereiter des Tätowierens in Deutschland in unseren Reihen als auch junge Kolleginnen und Kollegen. Dieses geballte Wissen wird wie selbstverständlich unter den Mitgliedern weiter gegeben. Natürlich auch kostenfrei.

Also…was der BVT da macht ist das was der DOT e.V. schon immer getan hat.

An dieser Stelle muss die kritische Frage erlaubt sein, was ist da genau nun beim BVT anders und wem bringt dieses „Gütesiegel“ in erster Linie etwas?

Ein bisschen Klartext:
Der BVT propagiert, dass der Befähigungsnachweis „für alle offen “ ist, also z.B. auch komplette Neulinge ohne Kenntnisse beim Tätowieren…..und es sind genau diese zu denen man sich nun durch ein Qualitätssiegel abgrenzen möchte…wasch mich aber mach mich nicht nass nennt man sowas….oder Wasser predigen und Wein saufen!

Was nun doch neu ist: man sucht die Nähe zu Tattoo-Schulen. Dies ist ein Novum bzw. hat hier wohl ein Sinneswandel in den Reihen des BVT stattgefunden.

War man sich im Jahr 2018 im Deutschen Bundestag, als es um Berufszugangsregelungen für Tätowierende ging (ja, auch, das Thema ist nicht neu und schon gar kein BVT Thema waren sich der DOT e.V. und der BVT  noch einig darüber, dass eine Ausbildung über Tattoo-Schulen in keinem Fall geeignet ist.

(Damals war Urban Slamal federführend für den BVT bei eben diesen Treffen mit Vertretern der Tattoo Verbände neben DOT Vertretern und auch den Gründern einer solchen Tattoo Schule anwesend.)

Dies sah damals sogar die Politik so.

Nun ist man „offen“ für diese Partner?

Der DOT e.V.  steht der aktuellen Entwicklung, die hier vom BVT vorangetrieben wird mit großer Skepsis gegenüber.

Dem BVT ist durchaus bewusst, warum wir 2018/2019 im Bundestag keine Berufszugangsregelung etablieren konnten.

Und dies, auf Grund exakt gleicher Grundbedingungen, auch nun nicht zu  etablieren sein wird.

Aus Sicht des DOT e.V. ist ein Zugang zum Tätowieren einzig und alleine über vertiefte Kenntnisse im Bereich der Hygiene denkbar.

Wie und auf welcher Art und Weise diese nachzuweisen sind ergibt sich teilweise schon aus den Regelungen der Infektionshygieneverordnungen der Bundesländer.

Weiter, DAS Regelwerk zum Tätowieren ist die, ebenfalls durch den DOT e.V. unter Einbeziehung unseres wissenschaftlichen Beirats erarbeitete und etablierte,

DIN EN 17169 „Tätowieren – Sichere und hygienische Praxis“

In diesem Werk steht alles was ein Tätowierender Wissen und beachten muss.

Darüber hinaus hegen wir Bedenken gegen die vom BVT geplante Praxisprüfung der „Grundkenntnisse des Tätowierens“.

Was sollen diese Grundkenntnisse beinhalten? Wer kann diese objektiv festlegen und beurteilen? Ist ein sauber gestochenes Handpoke eine der Grundkenntnisse? Oder Dot Work? Peppershading? Vor nicht all zu langer Zeit hätte eine eingesetzte Jury dies als „kein sauberer Schatten“ abgetan.

Also was hier passiert ist der Versuch Standards zu schaffen, die in möglichen weiteren Schritten dazu geeignet sein könnten festzulegen, wie ein Schatten, wie eine Linie usw. auszusehen hat.

Das mag auf den ersten Blick eigentlich kein Problem sein….gäbe es im übernächsten Schritt nicht unter Umständen findige Anwälte,

die die Arbeiten von Tätowierenden vor Gerichte zerren und diese nach „BVT Befähigungsnachweis-Standards“ beurteilen.

Bei zu engen Vorgaben (oder grds. bei Vorgaben hinsichtlich der Beschaffenheit von Elementen einer Tätowierung) sind sämtliche neuen Stilmittel im Keim erstickt.
Entsprechen diese doch plötzlich keinem vorgegebenen Standard mehr.
Alles Quatsch? Mag sein. Es besteht jedoch eine reele Chance, dass dies alles so vorangetrieben wird und die genannten Folgen hat.

(Und wir alle wissen dass ein einmal etablierter Standard, egal wie unsinnig er auch sein mag, nur sehr schwer wieder „zu beseitigen“ ist.

Wir alle erinnern uns noch lebhaft an die REACH Verordnung bzgl. der Pigmente Blue 15 und Green 7, die daraus resultierende „Save The Pigments“ Initiativeund die nicht erfolgte Reaktion oder Änderung der Verordnung.

Deshalb sollte sich jeder Tätowierende einmal ernsthatft die Frage stellen WEM eine solche „Standardisierung“, bzw. ein „Befähigungsnachweis“ der über die zum Tätowieren nötigen und unabdingbaren Hygienekentnisse hinausgeht, überhaupt etwas nützt. )

Und wen vertritt der BerufsVerbandTattoo denn hier eigentlich wenn er seinen Mitgliedern noch mehr Regularien und Standards aufbürden will?

Uns, die wir seit Jahrzehnten als Tätowierer gewissenhaft, hygienisch einwandfrei ABER AUCH KÜNSTLERISCH UND STILISTISCH NICHT BEVORMUNDET, arbeiten mit sicherheit nicht.

Ein weiterer, nicht ganz uneigennütziger Zweck dieses „BVT Siegels“ könnte sein, Tätowierende zu befähigen, den Befähigungsnachweis zu erlangen. Wie macht man das? Natürlich mit entsprechender Ausbildung. Wo könnte diese stattfinden? Genau, evtl. in Tattoo-Schulen oder eventuell sogar in der BVT Summer School?

Oder was passiert, wenn ein Prüfung durch die Prüfung fällt? Gibt es dann Aufbaukurse?

Es erscheint zumindest sehr fraglich, ob der BVT Befähigungsnachweis der „Szene“ gut tut.

Dem Tätowieren an sich als freie Kunstform sicherlich nicht.

Wir haben natürlich auch mit unseren Freunden und Kollegen vom Tätowierkunst e.V. über dieses, uns ja mehr oder weniger alle betreffende Thema gesprochen.

Die sehen das im Grossen und Ganzen genauso und werden sich zu gegebener Zeit auch noch einmal gesondert zu diesem Thema äussern.

DOT e.V.